Le Mans hat eine, Daytona hat eine und auch am Nürburgring steht mit dem „Ringwerk“ eine Art Hall of Fame mit Bezug zur ansässigen Rennstrecke. In die Reihe der legendären Rundkurse lässt sich ohne Weiteres auch die berühmt berüchtigte Ardennen-Achterbahn im belgischen Spa-Francorchamps einsortieren. Jeder kennt Namen und Streckenführung, doch kaum jemand weiß um die Schätze, die ein paar Kilometer vom Fahrerlager im beschaulichen Städtchen Stavelot schlummern. 

In den prächtigen Kellergewölben der alten Abtei von Stavelot ist das „Musée du Circuit de Spa Francorchamps“ zuhause. Die Grundmauern des Klosters gehen auf das elfte Jahrhundert zurück und sind oberirdisch teilweise mit gläsernen Gängen verbunden. Das Museum zur Geschichte der Rennstrecke findet sich allerdings im Keller, geheimnisvolle ehrfürchtige Atmosphäre inklusive. 

Die Sammlung von Autos, Plakaten, Pokalen und anderen Erinnerungsstücken wechselt in regelmäßigen Abständen ein wenig durch, nur einige Exponate haben einen festen Platz. Viele der Fahrzeuge werden auch bei historischen Rennen auf dem belgischen Kurs in direkter Nachbarschaft bewegt. 

Nicht nur Formelautos sind in Stavelot zu sehen, auch ein kunterbunter BMW E30 M3, mit dem Eric van der Poele in Spa angetreten ist, zählt zu den Exponaten. Die Kombination des kantigen 90er-Jahre Rennfahrzeugs im knalligen Lackkleid mit den bedeutend älteren und tristeren Grundmauern des Klosters ergibt einen einmaligen Kontrast, den man in größeren und neueren Rennsportmuseen nicht findet. 

Auch in der Totale ist der E30 M3 einfach ein wundervolles Stück Rennsportgeschichte, selbst in etwas unorthodoxeren Farben als der klassischen blau-violett-roten Troika. Kein Wunder, dass das Einsatzgerät von DTM-Champion und Ex-F1-Fahrer van der Poele in Stavelot ein temporäres Zuhause gefunden hat. 

Zwischen den blechernen Ausstellungsstücken findet sich auch etwas sehenswertes aus Holz: ein Modell der Rennstrecke von Spa-Francorchamps. Zwischen den belgischen Hügeln hindurch schlängelt sich als gelbe Linie dargestellt der heutige Streckenverlauf. Die rote Linie kennzeichnet den alten Kurs, wie er noch bis Ende der 70er-Jahre gefahren wurde. 

Auch einige offene Sportprototypen können in Stavelot bestaunt werden. Neben einem klassischen Monoposto in BP-Lackierung ist ein seltener Renault Sport Spider als Rennversion zu sehen, der vor einiger Zeit in einem Markenpokal des französischen Herstellers eingesetzt wurde. 

Zwar handelt es sich bei der Mehrzahl der Ausstellungsstücke im Museum um Rennfahrzeuge, aber auch die ein oder andere straßenzugelassene Preziose ist im Keller der Abtei zu finden. Vor allem das schwarze Pferd auf gelbem Grund dürfte in Verbindung mit den ikonenhaften Linien dieses Italieners für Schnappatmung bei einigen Tifosi sorgen. 

Ja, ihr seht das richtig: Dieser Ferrari führt kein Leben als in Watte gepackte Investition, sondern darf sich seine Steinschläge und toten Fliegen ehrlich verdienen. Na, wer hat einen der berühmtesten Vertreter des Herstellers aus Modena schon an der legendären Front erkannt? 

Na gut, eigentlich habe ich mich ja schon im Aufmacherfoto verraten: Zwischen einem Ferrari Daytona und einem Ford Mustang parkt im Keller der Abtei ein waschechter Ferrari F40, ein Held meiner Kindheit. Und auch, wenn diesem Achtzylinder-Monster eine auffällige Rennbeklebung fehlt, die Präsenz zur Daseinsberechtigung im Museum hat der F40 definitiv. 

Apropos Mustang: Mit dieser GT3-Version des amerikanischen Pony-Cars ging das Team Marc VDS beim legendären 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps an den Start. Nur sehr wenige des hubraumstarken Rennwagens wurden gebaut, einer ist nun in der belgischen Kleinstadt zu bestaunen. 

Ein kleines Highlight von meinem Besuch in Stavelot habe ich noch. Dieser Rennwagen ist bedeutend jünger als der Großteil der Fahrzeuge, mit dem er sich den Keller der Abtei teilt, doch nicht minder spektakulär. Zwar war der LMP1-Rennwagen von Aston Martin in Le Mans nicht sonderlich erfolgreich, einen Schönheitspreis hätte der DBR1-2 aber definitiv gewonnen. 

Flache Form, legendäre Gulf-Lackierung: Der DBR1-2 erweckte den Traum eines britischen Le-Mans-Siegers zu neuem Leben. Leider war der Entwicklung aus einer Lola-Aston-Martin-Kooperation kein Erfolg vergönnt. Das ist zwar schade, andererseits könnten wir den DBR1-2 sonst aber wohl auch nicht in einem kleinen Keller mitten in den Ardennen bestaunen.