Wenn man als Petrolhead Urlaub macht, und sei er noch so kurz, kommt man einfach nicht umher, die Ziel-Destination nach automobilen Besonderheiten zu durchleuchten. So kam dieser spontane Ausflug ins „Automuseum Prototyp“ der Hansestadt Hamburg zustande.

Das erste Exponat, das man als Besucher des „Automuseum Prototyp“ in der Hamburger Speicherstadt (auch ohne Museumsbesuch eine Reise wert!) auf dem Silbertablett serviert bekommt, ist gleich ein Meilenstein der Automobilgeschichte. Der „Typ 64“, auch „Berlin-Rom-Wagen“ genannt, ist eine Konstruktion von Ferdinand Porsche auf Basis des VW Käfer. So weit, so normal. Doch existieren von diesem Fahrzeug, manche nennen ihn wegen seines Alters und der optischen Verwandtschaft zu späteren Modellen wie dem 356 und dem 911 auch den „Ur-Porsche“, heute nur noch zwei Exemplare. Eines davon sollte kürzlich bei einer Auktion in den USA verkauft werden – für 20 Millionen Dollar. Mehr als 17 Millionen wollte jedoch niemand bieten …

Generell stammt ein großer Teil der Prototyp-Exponate aus dem Nachlass des legendären Otto Mathé, so auch der Typ 64. Das Museum, das im Eingangsbereich neben einer einladenden Bar/Lounge-Ecke auch eine gläserne Werkstatt hat, spezialisiert sich größtenteils auf deutsche Konstruktionen, hat aber auch ein paar Exoten aus dem Ausland im Programm. Garniert ist das Ganze mit prall gefüllten Vitrinen, die zum ausgiebigen Staunen einladen. Wirklich ein spannender Ort für jeden Auto-Fan.

Wer diesen Winter nur einen flüchtigen Blick in die Instagram-Feeds der europäischen Autowelt geworfen hat, wird mit Sicherheit nicht am „GP Ice Race“ in Zell am See vorbeigekommen sein. Einer der Stars dort: Der „Fetzenflieger“ getaufte Formel-2-Monposto (395 Kilogramm, 130 PS) mit Porsche-Technik von Otto Mathé, der ebenfalls im „Automuseum Prototyp“ zuhause ist.

Gleich gegenüber vom „Fetzenflieger“ kann man sich in den Details eines besonderen Motors verlieren. Das „TAG Turbo“-Triebwerk, das von Porsche gebaut wurde, presst aus sechs Zylindern mit 1,5 Liter Hubraum gewaltige 900 PS – 4 Bar Ladedruck sei Dank. Mit diesem Aggregat fuhr McLaren in den Jahren 1983 bis 1987 bei insgesamt 68 Rennen sieben Pole-Positions, 26 Siege, 18 schnellste Rennrunden sowie zwei Konstrukteurs-WM-Titel (1984 und 1985) und drei Fahrer-Weltmeisterschaften (1984, 1985 und 1986) ein.

Durchquert man den schmalen Gang, der den Eingangsbereich mit dem größeren Raum weiter hinten verbindet, kann man an der Wand eine Menge vierrädriges Kinderspielzeug betrachten. Überhaupt hat das Museum ein Händchen für geschmackvolle Exponate im kleinen Maßstab. Überall sind Fahrzeuge (meist in 1:18) passend zu den großen Originalen platziert.

Auch der große Raum in hinteren Teil des Museums ist bis unter die Decke voll mit interessanten und seltenen Fahrzeugen. Von links nach rechts sind hier der Prototyp eines Toyota-Formel-1-Fahrzeugs, der Audi R8R, ein Porsche 919 sowie ein Porsche 904 zu sehen. Jedes Modell steht für eine besondere Epoche, Technologie oder Rennklasse. Und weiter rechts verbirgt sich ein echtes Highlight deutscher Motorsport-Geschichte …

Mit diesem Jordan 191 gab ein gewisser Michael Schumacher beim Großen Preis von Belgien 1991 sein Debüt in der Formel 1. Zwar kam der damals 22-Jährige wegen eines technischen Defekts im Rennen nur 500 Meter weit, sein starkes Qualifying-Ergebnis ließ aber Benetton-Teamchef Flavio Briatore aufhorchen, mit dem Schumacher 1994 und 1995 dann die ersten zwei von sieben WM-Titel feiern konnte. Alles Weitere ist Geschichte.

Die bunte Mischung der Exponate und die clever genutzten beengten Platzverhältnisse im „Automuseum Prototyp“ kann man auf diesem Bild ganz gut erkennen. Wo sonst kann man ein Formel-1-Fahrzeug, einen Dakar-Rallye-VW, einen halben Porsche 917, einen ebenfalls halben Porsche 996, einen Porsche 356 sowie zwei VW-Armee-Fahrzeuge auf nur 15×10 Zentimeter bannen?

Wem die Dauerausstellung im ersten Stock nicht reicht, dem sei wärmstens die wechselnde Ausstellung im geschmackvoll hergerichteten Untergeschoss empfohlen. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs teilten sich hier gleich mehrere besondere Porsche-Modelle das warme Scheinwerferlicht.

Vor allem hier unten kommt die gut ausbalancierte Mischung aus Architektur und Mobilität zur Geltung, die das „Automuseum Prototyp“ zu so einem besuchenswerten Ort macht. Ich könnte mir stundenlang die elegante Silhouette eines klassischen 911 anschauen.

Wir schließen unseren Besuch mit dem Foto des ersten 911 GT3 RS ab. Ein Fahrzeug, das so langsam der stiefmütterlichen Betrachtung der 996-Familie entwächst und nicht mehr nur noch bei absoluten Fahrdynamik-Fans ein „Habenwollen“-Gefühl auslöst.

Wer das „Automuseum Prototyp“ besucht, sollte sich auch die Ausstellung über Wolfgang Graf Berge von Trips nicht entgehen lassen, die in einem wunderschönen Gewölbekeller untergebracht ist. Aber ein bisschen will ich ja auch eurer Entdeckungslust überlassen …