Der Atlantik, das Guggenheim-Museum, grüne Wälder und Wiesen: Bilbao und das Baskenland haben einiges zu bieten. Zum Beispiel den neuen Opel Corsa OPC, den es dort vergangene Woche für zwei Tage zum Testen gab. Der „alte“ Corsa OPC war mit 23.000 verkauften Einheiten ein echter Verkaufsschlager. Hat der neue auch das Zeug dazu? Finden wir es heraus!

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Opel hatte die Journalistenschar ins spanische Bilbao geladen, um den jüngsten Spross der OPC-Familie zu (er)fahren. Von Frankfurt aus ging es also an die Atlantikküste. Am Flughafen angekommen dann direkt ab in den neuen Corsa OPC. Dicke Backen, große Luftöffnungen. Macht schon im Stand was her. Ich hab mich dann für das neue „Opal-Blau“ (nein, kein Druckfehler) entschieden und bin losgedüst.

Die Straßen nördlich von Bilbao boten mit tollem Belag, anspruchsvollen Kurvenkombinationen und malerischer Kulisse  den perfekten Hintergrund für einen ausgiebigen Test von Opels neuester Rennsemmel. Über 4 Stunden saß ich am ersten Tag im neuen Corsa OPC. Genug, um mir ein vernünftiges Urteil bilden zu können. 

Opel hatte alle Testwagen mit dem optionalen Performance-Paket ausgestattet. 18-Zoll-Räder mit Michelin Performance-Reifen, sportlichere Fahrwerksabstimmung, Brembo-Vierkolbenanlage und eine mechanische Differenzialsperre von Drexler sind darin enthalten. Für 2.990€ ein sehr gutes Angebot und ein absoluter Pflichtkauf für Jeden, der den neuen Corsa OPC auch auf der Rennstrecke ausführen will.

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Von hinten gefällt mir der Corsa OPC am besten. Dezent aber sportlich. Zwei Endrohre in einer angemessenen Größe, keine übertriebenen Endrohr-Orgien à la Golf R. Nur ein bisschen mehr Sound hätte rauskommen können. Von außen schön sonor, von innen leider kaum zu hören. Da gehen dann schon ein bisschen die Emotionen verloren beim Fahren.

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Aber der neue Corsa OPC ist auf jeden Fall eins: schnell! Besonders dank der tollen Abstimmung, die in Verbindung mit dem Koni-FSD-Fahrwerk (Frequency Selective Damping) dafür sorgt, dass der Corsa total neutral und gutmütig liegt – egal wie hart man ihn in die Kurve wirft. Wer es total drauf anlegt, kann ihm aber auch noch ein leicht mitlenkendes Heck entlocken. So sollte ein sportlicher Fronttriebler sein.

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Auch der Motor hat ein großes Lob verdient. 207 PS aus 1,6 Liter. Turboaufgeladen. Und ein maximales Drehmoment von 245 NM, das bis 5.800 U/min anliegt. Kleinere Drehzahlorgien sind also auch kein Problem. In 6,8 Sekunden geht es auf 100 km/h, Schluss ist erst bei 230 Sachen.

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Der eigentliche Star des Antriebsstrangs ist aber das mechanische Sperrdifferenzial von Drexler. Es verleiht dem Corsa die Fähigkeit, sich mit einem sensiblen Gasfuß dermaßen in Kurven hereinziehen zu lassen, dass man fast auf Befehl 90 Grad abbiegen könnte. Wahnsinn. Fürs sportliche Fahren auf der Landstraße und vor allem auf der Rennstrecke auf jeden Fall ein Segen. Bei Spurrillen und im Stadtverkehr kann die Sperrwirkung schonmal den ein oder anderen Überraschungs-Schlenker produzieren. 

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Die im Performance-Paket enthaltene Vierkolben-Bremse von Brembo leistet beim Anbremsen auf die engen Kurven der Küstenstraße ganze Arbeit und zeigt auch nach längerer Kurvenhatz keine Ermüdungserscheinungen. Allerdings ist das Pedal für meinen Geschmack etwas zu leichtgängig und vermittelt dem Fahrer nicht das nötige Vertrauen, die wirklich gut arbeitende Bremse komplett zu nutzen. 

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Öffnet man die Tür des Corsas, springen einem sofort die Recaro-Schalensitze ins Auge. Optisch auf jeden Fall eine Bereicherung. Für mich war der Seitenhalt etwas enttäuschend, auch die Sitzposition an sich wollte mir nicht ganz gefallen. Einfach etwas zu hoch. Kann aber natürlich auch an meiner langen dürren Statur liegen. Der Rest des Innenraums ist hochwertig und gut verarbeitet. Das unten abgeflachte Lederlenkrad verleiht dem Ganzen noch etwas Rennsport-Flair. 

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Zusammengefasst hat Opel da also ein echt schönes und echt schnelles Auto gebaut. Leider kein emotionales. Dafür fehlen Sound sowie Rückmeldung in Lenkung und Bremse. Bei dem Gesamtpaket, das schon bei 24.395€ losgeht, kann man aber wirklich zufrieden sein. Absolute Kaufempfehlung für alle, die ihren City-Flitzer auch mal gerne auf die Rennstrecke ausführen. Macht Spaß!

 

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