„Papa, den Porsche musst du aber jetzt überholen!“ – Diesen Satz müssen Familienväter nicht mehr länger über sich ergehen lassen. Jetzt muss der Porsche das Familienauto überholen. Und auch wenn ich mit Anfang 20 noch keinen „Pampersbomber“ brauche, in den vergangenen zwei Wochen hatte ich viel Spaß mit dem 2015er Modell des Ford Focus ST. Als „Turnier“, oder auch gemeinhin bekannt als „Kombi“.

Für mich und meinen Blog stellt der Ford Focus ST Turnier außerdem das erste Fahrzeug dar, dass ich über einen Zeitraum von zwei Wochen in den „Redaktions-Fuhrpark“ (dieser existiert nicht wirklich, liest sich aber gut) übernehmen durfte. Ein großer Schritt und ein riesen Vertrauensbeweis. Übrigens, eigentlich war an dieser Stelle ein Test-Bericht zum quirligen Fiesta ST angedacht. Eine kurzfristige Reparatur am Kraftzwerg machte diesen aber leider nicht möglich. Das „Upgrade“ zum Focus ST kam mir aber nicht ungelegen, da ich am vergangenen Wochenende am 24h-Rennen auf dem Nürburgring teilnehmen sollte (In der Startaufstellung stand unser Auto übrigens neben dem von Ford-Pressechef Ralph Caba. Die Welt ist halt schon klein.). Reichlich Stauraum für Ausrüstung und Verpflegung kam also gerade recht. Doch dazu später mehr.

IMG_7076Der Focus ST als Turnier ist ein „alter“ Bekannter. Schon bei der Fahrpräsentation Ende Januar in Barcelona konnte er mich von sich überzeugen. Sofort war klar, das ist kein gewöhnlicher Kombi. Schnell, präzise, und super verarbeitet. Doch wer testet einen sportlichen Wagen bei einer Präsentation schon auf so profane Dinge wie Stauraum, Spritverbrauch, oder Langstreckenkomfort? Also bitte…

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Der Focus ST überzeugt auf der sportlichen Seite mit einem bärenstarken Motor samt tollem Turbo-Sound, standfesten, souveränen Bremsen, einem sportlich straffen Fahrwerk und vielem mehr, was den Rennfahrer in den Daddys dieser Welt auf dem Weg in die Schule oder zum Einkaufen befriedigen kann. Aber das weiß man höchstwahrscheinlich schon alles, sofern man sich vorher schon für den ST interessiert hat. Wenn nicht, hier nochmal ein paar nackte Zahlen: 250 PS, 360 NM, 248 km/h, 6 Gänge, vier Räder…

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Wo ST draufsteht, ist also auch ST drin. Supi. Aber was passt denn noch alles so rein? In der Woche vor dem 24h-Rennen musste der ST als Lastesel herhalten und einige (hundert) Kilometer vollgepackt bis unters Dach absolvieren. Von hundert frischen Eiern, dutzenden Litern Softdrinks, über Kräutersträucher und kiloweise Mozzarella, bis hin zum halben Team auf dem Weg zum Einsatz am Ring hat der lange Blaue mit dem komischen Auspuff alles ohne zu Murren geschafft. 

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Und wenn man nach dem Verladen von 60 Dosen Red Bull kalte Finger hat, hilft einem die Lenkradheizung im ST wieder ein Gefühl fürs schwarze Runde zu bekommen. Und Sitzheizung hat er auch. Und Tempomat. Und Rückfahrkamera. Alles drin. Von der Ausstattung her gab es wirklich nichts zu bemängeln. Da hat Ford einen super Job gemacht. Auch was die Materialanmutung und Verarbeitung angeht. Ein bisschen weniger Plastik würde ich mir dann aber trotzdem wünschen. 

IMG_7043Mit umgeklappter Rückbank bekommt  der Turnier-Blauwal 1262 Liter in seinem gewaltigen Bauch unter. Und auch wenn wir beim Anlegen unseres Bier-Vorrates für Rock am Ring nicht ganz (wirklich, wirklich weit entfernt) auf diese Zahl gekommen sind, passt schon so einiges rein. Der Focus ST ist der perfekte Sleeper für den Alltag. Und endlich mal ein bezahlbarer Kombi (kein übertrieben teurer AMG oder so), der auch cool ist. Sportliche Gene, sportlich verpackt.

IMG_7102Zumindest so sportlich, wie ein Kombi halt sein kann. Lackiert im gediegenen „Indic-Blau“ kommen die breiten Kotflügel, die bullige Front und der provokative Dachspoiler schön zur Geltung. In Kombination mit silbernen 18″-Rädern und roten Bremssätteln sticht man auf dem Supermarkt-Parkplatz oder vor der KiTa schon aus der Masse heraus. Aber immer, ohne irgendwie „assi“ zu wirken. Der ST Turnier schafft den Spagat zwischen Alltag und Sport mit geradezu schlafwandlerischer Sicherheit. 

IMG_7117Unter dem blauen Blechkleid warten jede Menge Leckerlis auf den Fahrer. Recaro-Sportsitze mit tollem Seitenhalt und wohlig warmer Sitzheizung, Sportfahrwerk mit speziellen Dämpfern und ein dreistufiges ESP sind nur die Spitze des Eisbergs. Eine vollständige Liste der Ausstattungs-Details habe ich unten mal angehangen. 

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Auch im Dunkeln ist mit dem Focus ST gut Munkeln. Multifunktionale Xenon-Scheinwerfer machen die Nacht zum Tag (Zwei Floskeln in zwei Sätzen, da freut sich das Phrasenschwein). Generell bietet der Focus dank Keyless-Go, Rückfahrkamera und Parkassistenten sehr viel, was ihn zum perfekten Begleiter auch in undurchsichtigen Situationen macht. Bei einem so großen Auto (4556mm lang) auch nicht verkehrt. Nur die (sonst wirklich direkte und präzise) Lenkung macht einem beim Einparken mit einem fast unverschämt großen Wendekreis einen Strich durch die Rechnung. Aber wer sich eine ST Turnier kauft, kriegt den Kombi bestimmt auch mit der Handbremse quer in die Parklücke. Oder?

IMG_7113Gibt es sonst noch irgendwas zu erzählen? Richtig, zum Verbrauch habe ich bis jetzt noch nichts gesagt. Aus gutem Grund? Naja, meistens war ich es wohl selber Schuld. Turbo läuft, Turbo säuft, oder? Ohja, und zwar richtig. Durchschnittsverbräuche jenseits von 12 Litern auf 100 Kilometern schafft der ST mindestens genauso problemlos wie ein „echter“ Sportwagen. Aber wenn man sich mal zurückhält, dann geht es auch unter neun Litern. Nur wer will sich bei dem (zugegebenermaßen generatoverstärkten) brutalen Turbo-Bollern-Pfeifen-Und-Zischen schon freiwillig zurückhalten….

20150521-IMG_7307Seit gestern ist er also wieder zurück bei Ford, mein blauer Freund. Und Helfer. Schade, ich hatte mich gerade dran gewöhnt, auch mal ein paar Kumpels mit zum Feiern zu nehmen, und den Einkauf nicht später im ganzen Auto suchen gehen zu müssen. Naja, irgendwann werde ich auch mal einen „Pampersbomber“ brauchen und dann wird Ford den Focus ST Turnier doch hoffentlich noch anbieten. Wäre jammerschade wenn nicht. 

 

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