Wenn man nach einem Tag an der Rennstrecke mit leichten Hörstörungen, abgelaufenen Schuhsohlen sowie einem Bauch voll mit Pommes und Waffeln nach Hause kommt, kann das nur eines bedeuten: Die Langstrecken-Weltmeisterschaft „WEC“ hat wieder halt im belgischen Spa-Franchorchamps gemacht. Was eine tolle Rennserie. Action, Spannung, Sound und das auf einer der schönsten Rennstrecken der Welt. Vorhang auf für die WEC und die Ardennen-Achterbahn von Spa-Franchorchamps!

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Begeben wir uns direkt ins Startgetümmel. Von „La Source“ geht es für das Feld der WEC hinunter zur weltberühmten „Eau Rouge“. Bevor wir uns auf den Weg rund um die Strecke machen, sind wir erstmal total begeistert vom Speed, den die LMP1-Autos hier fahren. Und vom Sound der Toyota-Sauger. Die GT-Klassen waren da noch gar nicht an uns vorbei. Denn auch die sorgen mit ihrem bunt gemischten Klang-Festival für Gänsehaut bei den Zuschauern.

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Besonders die Ferrari 458 mit den kurzhubigen V8 errinern vom Klang her stark an die Formel-1-Autos längst vergangener Tage. Dermaßen schrill und laut, dass in den Ohren alles vibriert. So muss das sein!

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Vom Fahrerlager und der neuen Boxenanlage gehen wir gegen die Fahrtrichtung los. Kurz vor Start und Ziel bremsen die Fahrer nach einer langen High-Speed-Passage auf die „Bus-Stop“-Schikane an. Ein perfekter Ort für Überholmanöver. Hier duellieren sich gerade die beiden späteren Erstplatzierten der GT-Pro. Von der ersten Runde bis in die letzte Rennminute hängen der Ferrari und der Aston Martin aneinander. Wahnsinn.

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Auch in Spa geht’s wie am Nürburgring viel durch den Wald. Zwar kommt man an der belgischen Strecke nicht überall ganz so nah ran wie in der Eifel, schöne Fotospots gibt’s trotzdem rund um die Strecke immer mal wieder. Hier im Bild einer der wenigen verbliebenen offenen LMP2. Mittlerweile geht der Trend stark zum geschlossenen Cockpit. Schade eigentlich, die offenen Cockpits mögen zwar der Sicherheit und der Aerodynamik abträglich sein, sind optisch aber deutlich cooler.

Bevor es auf das lange Vollgas-Stück geht, müssen die Piloten noch ein paar schnellere Kurven nehmen. Schön geschwungen und sich leicht öffnend. Die Corvette C7 konnte man mit ihrem dunklen Grollen sehr gut aus dem Feld der kreischenden Ferraris hinaushören. Irgendwann war der Ami-Bomber dann aber verschwunden. Leider.

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Die Toyotas mit ihrer blau-weiß-roten Lackierung sind meine persönlichen Favoriten im LMP1-Feld. Zumindest optisch. Auch wenn die generelle Form der Prototypen-Klasse nicht so ganz mein Fall ist, waren die Werkswagen von Audi, Porsche und eben Toyota doch schon beeindruckend schnell unterwegs. 

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Aber da mein Herz bekanntermaßen ja für den Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen schlägt, ist ja klar, wem ich die Daumen gedrückt habe … Hat zwar leider am Schluss nicht ganz gereicht, aber in Le Mans kann Porsche bestimmt richtig angreifen.

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Die beiden Porsche 991 RSR im Abschnitt „Pouhon“. Der schönste Sound der GT-Autos. Nur meistens von Ferrari und Aston Martin übertönt. Aber es geht einfach nichts über den leicht rauchigen, raspelnden Sound der Boxermotoren. Wiedererkennbar mit geschlossenen Augen. 

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Auch die wirklich hohen und steilen Naturtribünen zeichnen die Strecke in Spa aus. Rund 55.000 Zuschauer sollen diese laut Veranstalter am Renntag gefüllt haben. Und so viel, wie rund um die gesamte Strecke los war, kann man das gerne glauben. 

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Und selbst ohne eine Akkreditierung kann man in Spa gut fotografieren. Man muss nur ein bisschen herumlaufen, experimentieren und die richtigen Stellen finden. Hier überrundet der spätere Sieger einen Aston-Martin aus der GT-Pro-Kategorie. 

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Ebenfalls sehenswert: Der Blick über „Pouhon“, die Ardennen und das Fahrerlager. Der Aufstieg auf die Naturtribünen lohnt in vielerlei Hinsicht. 

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Eins meiner Lieblingsbilder vom Samstag. Die Heckansicht der Porsche 991 RSR im Zusammenspiel mit den Curbs, den Reifenstapeln und der ungewöhnlichen Perspektive ergeben einen frischen Blick auf das Geschehen. 

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Ähnlich wie in der VLN macht auch in der WEC das gemischte Teilnehmerfeld mit „schnellen“ und „langsamen“ Klassen samt deren Fahrern in Profi-, und Amateurklassen einen Teil des Reizes aus. Natürlich kann es dabei auch mal zu Unfällen kommen. So passiert ausgerechnet zwischen einem Werks-919 und einem Werks-991-RSR. Sehr ärgerlich.

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Das G-Drive Team mit ihren orangenen LMP2 bildete stets einen schönen Kontrast zum tiefgrünen Wald der Ardennen. Ein willkommener Farbtupfer im relativ tristen LMP-Feld. 

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Aber den schönsten Paradiesvogel stellte dieser Ferrari 458 aus der GT-Pro-Kategorie dar. Ich weiß nicht, wie oft ich da drauf gehalten hab. Einfach ein tolles Design. 

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Mittlerweile sind wir in „Les Combes“ angekommen. Genauso wie der führende Aston-Martin der GT-AM-Kategorie im klassischen Gulf-Design. Zeitlos und immer wieder schön. 

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Und noch mal ein Elfer-Hintern. Einfach schön. Kann man auch ohne weitere Beschreibung stehen lassen. 

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Auf der langen „Kemmel-Straight“ erreichen die Boliden ihre Höchstgeschwindigkeit. Wenn einem die GT-Fahrzeuge schnell vorkommen, sehen die aus, als würden sie stehen, sobald ein LMP vorbeischießt. 

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Zum Schluss unserer Runde sind wir wieder kurz vor Start und Ziel angelangt. In der vielleicht berühmtesten Kurve der Welt: „Eau Rouge“. Vor allem die Porsche 919 produzieren hier sehr spektakuläre Funken beim Durchfahren der Senke. 

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Und zum Abschluss nochmal ein RSR. Schön zu erkennen, wie die Autos aus „Eau Rouge“ richtig oben heraus fahren.  Und wie schmutzig es nach fast sechs Stunden abseits der Ideallinie ist. Da möchte man bei Tempo 200 nicht unbedingt drauf geraten…