Rallyecross boomt. Seit dem die FIA die eigentlich schon sehr alte Motorsport-Art zur offiziellen Weltmeisterschaft ernannt hat, finden immer mehr Hersteller ihren Weg in die populäre Klasse. Auch im belgischen Mettet trägt die „WRX“ ein Event zur WM aus. Logisch also, dass ich den tollkühnen Männern in ihren fliegenden Kisten mal auf die Finger schauen wollte. 

Kommt man in Mettet an die Rennstrecke, fällt zuerst die große Nähe auf, welche die Fans zum Geschehen auf dem zur Rallyecross-Location umgebauten Rundkurs genießen. Zwar ist das Wetter an diesem Mai-Wochenende eher herbstlich, trotzdem tummeln sich jede Menge Schaulustige auf den Naturtribünen entlang der Strecke. 

Nicht nur an der Strecke schreibt die Rallyecross-WM Fan-Nähe groß, auch im Fahrerlager kann man den mehr als 600 PS starken Geschossen sehr nahe kommen. Unter der Haube dieses VW Polo steckt ein Zweiliter-Turbomotor, der an ein sequenzielles Sechsgang-Getriebe gekoppelt ist. Zur besseren Wartung sind alle Karosserieteile aus Kunststoff oder Kohlefaser gefertigt. 

Gestartet wird beim Rallyecross (hier die Junioklasse „RX Lites“) stehend und in mehreren Reihen. Wer einen Fehlstart hinlegt, muss die im Normalfall einmal zu durchfahrende „Jokerlap“ gleich zweimal in Angriff nehmen. Ein Zeitverlust, der schnell zu einer Niederlage im Rennen führen kann. 

Besonders spektakulär zeigt sich auf der Strecke die Top-Kategorie der „Supercars“. In Mettet ist neben der Welt- auch die Europameisterschaft am Start, in der unter anderem Kevin Hansen, seines Zeichens Sprössling der Hansen-Ralleycross-Dynastie, um Siege kämpft. 

Während in der Europameisterschaft größtenteils aufstrebende Junioren und betuchte Altmeister zu finden sind, gibt sich in der WM die absolute Topspitze des Rallyecross die Klinke in die Hand. Routinierte Recken wie Timur Timerzyanov treffen hier auf Jungs wie Nicolas Grönholm, den Sohn des Rallyeweltmeisters Marcus Grönholm. 

Zu den heißen Favoriten auf den WM-Titel sowie den Sieg in Mettet zählt DTM-Profi und AlleswasvierRäderhat-Pilot Mattias Ekström im Audi S1. Mit seinem Team EKS setzt der Schwede gleich mehrere Autos ein und zeichnet sich auch für die Entwicklung der Boliden verantwortlich. 

Nicht optimal lief das Wochenende in Mettet für Ekströms Teamkollege Toppi Heikkinen. Schon am Samstag musste der schnelle Finne dabei zusehen, wie sein Audi mehrere Male den Dienst verweigerte. Denn auch, wenn die Rennen nur wenige Minuten dauern, sind sie trotzdem eine echte Tortur für Fahrer und Auto. 

Der Auftritt von EKS im Fahrerlager von Mettet gehörte definitiv zu den professionellsten. Zwei große Auflieger und ein gigantisches Zelt ließen einen Hauch DTM über den staubigen Platz mitten in einem belgischen Industriegebiet wehen. Doch nicht nur Audi engagiert sich immer stärker in der WRX … 

Auch Peugeot stieg in die WM ein und fand mit dem Team Hansen gleich einen Partner auf Augenhöhe. Als prominenter Star-Fahrer ist der neunfache Rallye-Weltmeister Sebastien Loeb mit von der Partie. Hier zwar etwas Abseits der Ideallinie unterwegs, zeigt der Franzose auf dem ihm noch etwas unbekannten Terrain eine steile Lernkurve. 

Ein Blick unter die Carbon-Haut des Peugeot 208 von Davey Jeanney. Er ist neben Loeb der zweite Franzose im Team Hansen und ein Garant für Punkte im hart umkämpften Business der WRX. Getreu dem alten Rennfahrer-Motto: „Wo gehobelt wird, da fallen Späne“. 

Ganz frisch im Spiel sind die beiden Ford Focus, die der amerikanische Hersteller in enger Kooperation mit der „Hoonigan Racing Division“ von Youtube-Star und Gutelaunemanschine Ken Block entwickelt hat. Block selbst pilotiert einen der beiden Focus, im anderen sitzt der Norwerger Andreas Bakkerud. 

Allerdings leidet der Focus RS RX noch an einigen Kinderkrankheiten, weshalb in einem Vorlauf am Samstagmittag gleich beide Boliden in der gleichen Kurve die Segel strichen. Auch der Dialog zwischen Bakkerud und Block (im Auto) half nichts: Beide Focus mussten mit dem Abschlepper zurück ins Fahrerlager transportiert werden. 

Das Engagement der Hoonigan Racing Division ist auf jeden Fall ein Glücksgriff für die noch junge Rallyecross-WM. Nicht nur die knalligen Folierung auf den beiden Focus ist ein Hingucker, auch die fahrerischen Qualitäten der Kutscher sind keinesfalls zu verachten. 

Ob sich die Idee, mit einem größeren Fahrzeug als die Konkurrenz anzutreten, letztendlich auszahlen wird, dürfte sich erst im Laufe der Saison zeigen, wenn die anfängliche Probleme des Focus RS RX auskuriert sind. Bis dahin erfreuen wir uns einfach schon mal an der fantastischen Gestaltung der beiden Autos. 

Letztendlich bleibt nur zu sagen, dass der Besuch bei einem Lauf zur Rallyecross-WM sehr zu empfehlen ist. Mit der großen Fan-Nähe, dem kurzweiligen Rennformat und den spektakulären Autos ist die WRX mit Sicherheit eine der Trendsportarten der kommenden Jahre. 

Und auch 2016 wird die WRX wieder auf dem kleinen Kurs im belgischen Mettet Station machen.