Eigentlich wollte ich nur einen gemütlichen Pfingstmontag beim Wolsfelder Bergrennen verbringen und mal wieder ein paar Fotos schießen. Ein kleiner logistischer Engpass hat Letzteres in eine kleine „Challenge“ verwandelt, die ich nun doch mit meinen Lesern teilen möchte. So sind alle Fotos mit einer 50mm-Festbrennweite entstanden. Ein bisschen „Oldschool“-Fotografie bei einem tollen „Oldschool“-Event.

Jedes Jahr am Pfingstwochenende lädt der EMSC Bitburg zum Bergrennen nach Wolsfeld, im direkten Dunstkreis der weltberühmten Brauerei. Während am heiligen Sonntag „nur“ die Trainingsläufe auf dem Programm stehen, geht es am Montag für alle 211 (!) Teilnehmer dreimal die gerade so 1,64 Kilometer lange – und damit kürzeste im Kalender – Bergstrecke hinauf. Das Teilnehmerfeld ist am Berg so bunt gemischt wie nirgendwo anders. Vom seriennahen Sportwagen über wild beflügelte Young- und Oldtimer bis hin zu den brachialen Sportprototypen und filigranen Formel-Rennwagen: Hier ist für jeden Fan etwas dabei.

Besonders gut gefällt mir am Wolsfelder Berg immer die sehr familiäre Atmosphäre, die zwischen Fahrern, Teams, Veranstalter, Fans und Anwohnern herrscht. Manche Beziehungen zwischen der Wolsfelder Bevölkerung und alteingessenen Teams gehen gar soweit, dass die Hofeinfahrt zum Fahrerlager umfunktioniert wird, um das Wettbewerbsfahrzeug noch näher an der Startlinie vorbereiten zu können. Breitensport par Excellence!

Wer keinen Platz im inneren des Ortsteils gefunden hat, schlägt die Zelte auf einer nahen Wiese auf und legt die kurze Strecke zum Start über einen Wirtschaftsweg zurück. Zugfahrzeug, Pavillon und Rennauto: Mehr brauchen viele der teilweise weit gereisten Teilnehmer nicht. Keine Spur von der teuren Professionalisierung anderer „Breitensport“-Serien wie beispielsweise der VLN-Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring, wo ohne Live-Telemetrie und Catering selbst in den kleineren Klassen nichts mehr geht. Beinahe zumindest.

Ebenfalls schön zu sehen: Am Berg gibt es sie noch, die Bastler und Tüftler, die Selberschrauber und rasenden Daniel Düsentriebs. Von „Cup-Klassen“ mit baugleichen Fahrzeugen keine Spur. Zwar mögen die wilden Aero-Auswüchse manches 30 Jahre alten Kleinstwagens auf den ersten Blick etwas überambitioniert erscheinen – doch hinter den meisten Rennern steckt feinste Ingenieurskunst. Und was ist so ein Breitbau-Scirocco bitte für ein Augenschmaus?!

Doch auch an deutlich moderneren Fahrzeugen wie diesem Mitsubishi Lancer Evo 8 geht der Kelch der Modifikationen nicht spurlos vorüber. Mit Erfolg: Ronnie Bratschi brach mit seinem Allrad-Japaner im zweiten Lauf den Streckenrekord für Tourenwagen, den bisher Bruno Ianniello inne hatte. Wer den wild schnaubenden Evo den Berg hinauf schießen sah, weiß, wie wenig Serien-Auto hier noch übrig ist.

Beginnen wir nun den Aufstieg auf Deutschlands kleinsten Renn-Berg. Los geht es am Ortsausgang von Wolsfeld, wo die Rennfahrzeuge nach der Startlinie zunächst eine weite Linkskurve durchfahren, bevor es mit einem engen Rechtsknick steil bergauf geht. Hier sind besonders kleine und wendige Fahrzeuge im Vorteil. Auf Aerodynamik ausgelegte Formel-Autos und Prototypen haben hier nicht selten das Nachsehen gegen deutlich „zivilere“ Modelle.

Anschließend folgt ein sowohl optisch als auch fahrdynamisch hinreißendes Kurvengeschlängel, dass die Fahrer zum wichtigsten Zuschauerpunkt am Wolsfelder Berg bringt: der Bit-Kurve. Hier geht es scharf rechts ums Eck und dabei steil bergauf. Generell schauen die Piloten auf dieser Piste viel gen Himmel, denn mit durchschnittlich neun Prozent Steigung werden auf den 1,64 Kilometer Streckenlänge einige Höhenmeter überwunden.

Nach der Bit-Kurve folgt ein (sehr) kurzes Geradeausstück, bevor die Fahrzeuge eine enge blinde Linkskurve durchfahren. Nicht selten wird der früh nötige Bremspunkt unterschätzt und das teure GFK (oder Blech) trifft auf den kalten Stahl der Leitplanke. Nach der Linkskurve öffnet sich der Wald wieder und der zweite wichtige Zuschauerpunkt empfängt die Rennwagen hier etwa nach der Hälfte der Strecke.

Im anschließenden Kurvengeschlängel fühlen sich wieder die leichteren Fahrzeuge wohl. Einen Monoposto wie dieses Formel-3-Auto schnell von Wolsfeld nach Wolsfelderberg (die Ortschaft am Ende der 1,64 Kilometer) zu bewegen, erfordert Präzision und Geduld, denn nicht an vielen Stellen lassen sich die konzeptbedingten Vorteile der kleinen Renner umsetzen.

An diesem Punkt beenden wir unseren Aufstieg. Denn im Gegensatz zu den über 200 Fahrern sind uns nur Pferdestärken im (niedrigen) einstelligen Bereich vergönnt. Und trotzdem: Ein Besuch beim Wolsfelder Bergrennen ist jedes Jahr aufs Neue eine tolle Erfahrung. Hier wird Motorsport zum Anfassen geboten, der nicht nur spektakulär sondern auch technisch interessant ist.