2600 Kilometer, 39 Stunden und 25 Minuten. Die nüchternen Fakten meines Roadtrips durch die Schweiz und Italien klingen weit emotionsloser und langweiliger als es tatsächlich war. Denn es war geil! Zusammen mit meinem Kollegen Andreas von www.onemorelap.com, seinem Kumpel Luca, und meinem besten Freund Benny haben wir vier tolle Tage hinter dem Steuer auf einigen der schönsten Straßen Europas verbracht. Dabei sind so viele Geschichten und Bilder entstanden, dass das alles hier den Rahmen sprengen würde. Also versuche ich mal zusammenzufassen…

IMG_3766Los ging es am Samstagmorgen, nachdem wir am Abend vorher bereits unseren BMW M235i in München abgeholt hatten. Rot und vollgepackt mit (fast) allem was die Performance-Aufpreisliste zu bieten hat. 326 PS, Dreiliter-Reihensechszylinder. Turboaufgeladen. Dazu eine 8-Gang-Automatik von ZF, die die Kraft standesgemäß an die Hinterräder weitergibt. Als Gegner hatten sich unsere Freunde aus der Schweiz einen flammneuen Nissan 370Z Nismo dazugeholt. 340 PS, aber Saugmotor und handgeschaltet.

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Nachdem uns die viel zu freundliche und großzügige Oma von Andreas neben einem Schlafplatz auch noch mit Kaffee und süßem Zopf verwöhnt hatte, konnten wir los. Startort war das beschauliche Feuerthalen, Ziel der Fährhafen von Piombino an der italienischen Mittelmeerküste. Einfach die Autobahn zu nehmen wäre zu einfach gewesen, und so entschieden wir uns, quasi die beiden einzigen freien Pässe zu befahren. Zuerst war der Julierpass dran. Atemberaubende Panoramen und beschauliche Bergdörfer wohin das Auge blickt.

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Auf knapp 2300 Metern lag sogar so viel Schnee, dass die Lifte noch in Betrieb waren und fleißige Wintersportler die kaum befahrenen Pisten ausnutzen konnten. Im Umkehrschluss war ab dem Gipfel abwärts kaum noch Verkehr auf unserer Spur vorhanden und die beiden Autos konnten sich ein bisschen austoben. Die kühle Bergluft sorgte dabei mit Sicherheit für das ein oder andere Zusatz-PS.

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Nachdem wir das recht menschenleere St.Moritz durchquert hatten, ging es ab auf den Berninapass. Den 370Z immer im Blick konnten wir uns schonmal eine Meinung über ihn bilden. Zumindest über die Optik. Macht schon schwer was her, der Japaner. Vor allem das 2015er Facelift ist gut gelungen und unterstreicht nochmal mehr die sportlichen Gene, die man ihm bei Nismo eingepflanzt hat. 

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Sobald wir eine passende Spitzkehre finden konnten, ging das Querfahren los. Beim M235i selbst ohne das optionale Sperrdifferenzial ein wahrer Freudenquell. Beim Nissan dank giftiger Gegenpendler mit Vorsicht zu genießen. Am Ende des Berninapasses erreichten wir schließlich die italienische Grenze. Bevor es weitergehen konnte, stand aber erstmal der Pizza-Pflichtstopp an. Für fünf Euro haben wir eine riesige, ultra leckere Pizza bekommen, dazu gratis WLAN, Blogger-Herz, was willst du mehr?

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Auf den topfebenen, teuren, italienischen Autobahnen bekamen wir kilometerweit kein einziges Auto zu Gesicht. Bis dieser Ferrari 458 Speciale im Rückspiegel auftauchte, vorbeizog und verschwand. Keine Chance für unsere beiden Autos. Ist dann halt doch nochmal eine andere Liga…

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Kurz vor 19.00 Uhr erreichten wir schließlich den Fährhafen von Piombino. Schnell zwei Tickets für die letzte Fähre am Abend gelöst, und noch ein paar Fotos geschossen. Bis hierhin hatten uns der BMW und der Nissan schon viel Freude bereitet, wie sollte das erst auf den kurvenreichen Sträßchen in Elba werden? 

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Der nächste Morgen. Ja, ihr seht richtig. Vorne links fehlt was… Bei der Suche nach einem geöffneten Supermarkt haben wir in der Dunkelheit am Abend zuvor eine Abwasserrinne übersehen. Ein lautes Krachen, und dem BMW fehlen 10cm von seiner Frontspoilerlippe. „Elba-Optimiert“ sozusagen, denn auch die Auffahrt zu unserem Ferienhaus und generell viele Parkplätze machen dem BMW und seiner Tiefe zu schaffen. Tut uns wirklich sehr leid BMW…

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Nach Cappuccino und Teilchen im malerischen Bergdorf Capoliveri fuhren wir von Marciana Marina, über Poggio, nach Marciana Alta. Bunt blühende Wiesen wechselten sich mit tiefgrünen, duftenden Pinienwäldern ab. Der Straßenbelag größtenteils in gutem Zustand, war doch teilweise von Frostschäden des recht langen Winters gebeutelt. Tat dem Spaß, den wir hinter dem Steuer hatten, aber keinen Abbruch.

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Ich finde, besonders in Bewegung macht der M235i eine sehr gute Figur. Was der Nissan im Stand an Brutalität und Muskeln zeigt, macht der BMW beim Fahren wieder wett. Tief gedrungen, die Spoilerlippe knapp über dem Boden, fällt der 2er über die elbanischen Haarnadeln her. Ein Fest für Fahrer und Fotografen. 

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Überall auf der Insel war gelb-blühender Ginster zu finden. Die perfekten Farbkontraste zu unseren beiden Autos. Hier kann man auch gut sehen, wie gut teilweise die Fahrbahnbeschaffenheit auf Elba ist. Einfach ein Paradies für Kurvenliebhaber. 

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Wir haben lange darüber nachgedacht, ob Elba das richtige Ziel sei. Im April, also Nebensaison. Wir hatten Angst vor geschlossenen Restaurants, kalten Nächten (unser Ferienhaus hatte keine Heizung) und schlechtem Wetter. Aber nichts dergleichen ist eingetreten. Gut, bis auf die kalten Nächte, aber was solls. Dafür hatten wir leere Straßen, tolles Wetter, und viel Platz in den vielen guten Restaurants der Insel. 

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Auf dem Dorfplatz von San Piero herrschte erstmal Stille, und dann ein geschäftiges Treiben, als wir die beiden Autos direkt vor der Kirche, unter grünen Schattenspendern und mit einem wundervollen Meerblick parkten. Smartphones wurden gezückt, Selfies geschossen, und das ein oder andere „Bella Macchina“ war zu hören. Man stelle sich vor, was los gewesen wäre, hätten wir einen Ferrari dabeigehabt…

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Den Nachmittag verbrachten wir an der Westküste, um die tiefstehende Sonne für ein paar Car-to-Car-Fotos mit Meerblick zu nutzen. Ist ja schon ein schönes Fleckchen Erde. 

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Blauer Himmel, grüne Hänge, ockerfarbene Felsen. Und mittendrin ein weiß-schwarz-roter 370Z Nismo. Passt auch viel besser als Fotokulisse als eine graue Fabrikhalle, oder was man heutzutage öfters so sieht. Parkhäuser zum Beispiel. Sowohl der Nissan, als auch der BMW haben sich übrigens auch gut als Kamerafahrzeug geschlagen. Auch wenn mir die ein oder andere Heckklappe mal auf den Hinterkopf gefallen ist. Naja, Berufsrisiko. Könnte schlimmer sein.

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Zurück am Haus widmete sich unsere Truppe ein paar Detailaufnahmen der Fahrzeuge. Der Innenhof mit Pflaster und grünen Hecken eignete sich schon fast zu perfekt dafür. Dazu noch die untergehende Sonne, das sind Arbeitsbedingungen, mit denen ich leben kann.

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Hier dann auch mal ein paar Details vom M235i. So ein hervorragendes Auto. Außen wie Innen. Besonders die Carbon-Lippe auf dem Heckdeckel und die Alcantara-Bezüge im Innenraum haben uns gefallen. Auch die Navi-Einheit und das mittlerweile echt gute i-Drive sind positiv in Erinnerung geblieben.

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Am letzten Tag wollten wir unbedingt nochmal die Straße hoch nach San Piero fahren. Haarnadeln, schnelle Ecken, und eine Aussicht zum Niederknien. Der Nissan lag auf den engen Inselstraßen meist nur für die Kamera vorne. Rein performance-technisch sah der Japaner kein Land gegen den M235i, der mit seinem Turbomotor und der schon fast DSG-artigen Automatik perfekt für die Bergstraßen gerüstet war. 

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Übrigens, nachdem wir den BMW wieder in München abgeliefert hatten, trafen wir uns noch mit dem Projektleiter des BMW M235i Racing Cups in der Motorsportabteilung der Bayern. Was wir da so erfahren haben, und wieso der M235i nicht nur uns als die perfekte Basis für den Motorsport erschien, erzähle ich euch aber ein andermal.

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Zusammenfassend kann man auf jeden Fall sagen, dass wir auf Elba, und auf dem Weg dorthin eine Menge Spaß hatten. Ich hoffe, das spiegelt sich in der Story und den Bildern ein wenig wider. Bedanken möchte ich mich auf jeden Fall noch bei meinem Chef bei Evocars, der die ganze Sache erst möglich gemacht hat. Auch dort wird es einen, etwas umfangreicheren Bericht geben. Schaut vorbei. Und natürlich bei Benny, Andreas, und Luca, für die tolle Gesellschaft. Der nächste Roadtrip geistert schon in unseren Köpfen herum. Seid gespannt!