Wenn man als nordschleifensüchtiger Autojunkie gefragt wird, ob man „Interesse“ hätte, ein niegelnagelneues Tracktool auf DER Rennstrecke schlechthin zu testen, sagt man nicht einfach nein. Wäre ja bescheuert. Nur doof, wenn man statt 40 Minuten plötzlich 6,5 Stunden in die schöne Eifel hat. Buhu. Aber so richtig. BUHU! Muss man eben mal einen Samstag „opfern“. Immerhin ein Vorwand, mal wieder zum Ring zu fahren. Ist doch schön. Und wenn dann noch ein so feines Wägelchen auf einen wartet, freut man sich doch umso mehr. Über den Tag, das Wetter, die Leute und die eigene Passion.

IMG_1011Dieses babyblaue Schmuckstück hier gehört Janis. Janis ist der Sprössling von Axel. Zusammen sind sie „Die Waldows“. Nein, Spaß beiseite. Fakt ist: Axel Waldow ist schon jahrzehntelang dem Ring-Virus verfallen. So verwundert es einen nicht, dass sein Autohaus eine ganze Menge rennstreckenaffine Kundschaft hat, und noch weniger, dass sein Sohn Janis ebenfalls Benzin im Blut hat. Zuerst auf zwei Rädern im Motocross-Bereich, jetzt dann auch auf der hellen Seite der Macht. Und was liegt näher, als dem Sohnemann gleich was vernünftiges hinzustellen, um das Geschäft auf der besten Rennstrecke der Welt zu lernen. 

IMG_1187Und so wurde der in der Rennstrecken-Gemeinde normalerweise eher stiefmütterlich behandelte bis verpöhnte Clio IV R.S. sukzessive zum „Ringtool“ umgebaut. Solange, bis er sich den „Waldow-Performance“-Sticker verdient hatte. Die blaue Folie, deren Farbe irgendwo zwischen Alpine- und Dynamoblau hin und her pendelt, fällt dabei natürlich als erstes auf. Gute Wahl. Dachte ich zumindest solange, bis Axel offenbarte, dass er eigentlich in das gleiche Lotus-Grün gehüllt werden sollte, das auch meinen „alten“ Clio R.S. so wunderschön umschmeichelt. Naja, dann eben beim nächsten Mal Jungs. 

IMG_1015Man darf sich aber keinesfalls von der Krabbelgruppen-tauglichen Farbgebung täuschen lassen. Unter der weichen Hülle steckt ein verhärteter Kern. (Fast) kein Eckpfeiler des Clios blieb auf dem Weg zur Rennstrecken-Performance unangetastet. Wo fange ich an? Vielleicht bei den schicken Sparco Assetto Gara, die zusammen mit klebrigen Dunlop Direzzas die Verbindung zwischen Maschine und heiligem Boden darstellen. Rennsporttaugliche Optik trifft auf fantastischen Grip. Hier stimmt schonmal alles. 

IMG_1138Natürlich blieb auch das Serien-Fahrwerk nicht lange an seinem Platz. Ein KW Clubsport mit Nordschleifensetup und Sturzplatten an der Hinterachse zog ein. Gute Wahl Sir. Der Clio liegt auf dem buckligen Waldweg a.k.a. Nordschleife wie die sprichwörtliche Flunder. Der längere Radstand wird sein übriges dazu beitragen, dass der neue hier einem vergleichbar umgebauten Vorgänger einen Schritt voraus ist. Gerade auf den 20,832 Kilometer des alten Nürburgrings ist ein sicheres und neutrales Fahrwerkssetup, dass dem Fahrer Vertrauen vermittelt, oberste Priorität. Ein klein bisschen mehr Mitspracherecht würde ich dem Heck aber trotzdem einräumen. Das wäre es dann aber schon. 

IMG_1034Optisches Highlight: die Pommestheke aus dem Clio-Cup. Komplett mit Einzelabnahme und Segen vom freundlichen TÜV-Onkel. Ob der designtechnisch fragwürdige Spoiler auch aerodynamisch was bringt und nicht nur Topspeed klaut, sei mal dahingestellt. Aber für den Gesamteindruck von Janis‘ Tracktool dürfte er auf keinen Fall fehlen. Die kurze Dachantenne ist übrigens kein Optiktuning, sondern bitter notwendig, da der Spoiler die originale lange Antenne sonst bei jedem Einkauf in arges Bedrängnis bringen würde. 

IMG_1218Zwei urgemütliche Recaro Pole-Position ersetzen die *räusper-fürchterlichen-räusper* Serienstühle. 4-Punkt-Gurte von Schroth haben einen selbst dann im Griff, wenn auf dem Pflanzgarten-Hügel kurz die Schwerkraft aussetzt und man sich schon einen mit Plüsch verkleideten Dachhimmel wünscht. Nochmal Glück gehabt. Die passenden Konsolen und seitlichen Halter für die Sitze gibt’s natürlich auch bei den Waldows.

IMG_1122Im Falle eines Falles (hoffen wir das Beste) stützt ein Wiechers Clubsportbügel das Dach des Clios. Er ist mit einer herausnehmbaren H-Strebe sowie mit Kreuz und Gurtstrebe konfiguriert. Farblich passend zu den Gurten und ein schöner Kontrast zur Folie außen am Auto. Hinten will auf der Nordschleife ja eh keiner sitzen. 

IMG_1232Ihr werdet euch jetzt zwei Dinge fragen: Was ist das für ein Tank auf der Rückbank und was macht die Düse da im Motorraum? Völlig legitim, gestehe ich euch zu. Ich konnte es auch nicht so richtig glauben. Das ist nämlich die Wassereinspritzung für den Ladeluftkühler, ebenfalls aus dem Cup-Auto. Die Düse wird über ein Fußpedal betätigt und dann geht’s los: Pssshhhh…

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Was hab ich noch vergessen? Im Motorraum ist noch eine Wiechers-Domstrebe ein- und unter dem Auto einer der beiden Kats ausgezogen. Trägt zu Verwindungssteifigkeit und Sound bei. Kann man also schon mal machen. IMG_1154Das Endergebnis kann sich sehen lassen denke ich. Dem aufmerksamen Leser wird eins aufgefallen sein: „Hä, der hat ja gar nix über die Bremse gesagt.“ Ja richtig. Und da schweigt man am besten drüber. Ist aber nicht die Schuld der Familie Waldow, sondern der Firma Renault und ihrer Sport-Abteilung. Auf zwei Runden Nordschleife hat die Schwimmsattel-Kleinwagen-Mädchenbremse ziemlich schlapp gemacht. Aber Janis hat mir versprochen, beim nächsten Wiedersehen mit dem Clio ist die Vierkolben-Bremse aus dem Clio 3 R.S. drin. Dann bin ich zufrieden.

Auf die Strecke durfte ich dann auch noch. Nach getaner Arbeit versteht sich. War das schön. Total entspanntes Fahren dank EDC und langem Radstand + KW Clubsport. 8.28 Minuten standen letztlich auf der Uhr, nach 2 gefahrenen Runden. Wenn jetzt noch die Bremse passt, ich vielleicht noch an den Luftdruck ran darf, dann sollte definitiv der Beweis erbracht werden können, dass der neue R.S. – zumindest in Tracktool-Form – sich nicht vor seinem „Vater“ verstecken braucht. Ich freue mich schon auf das nächste Zusammentreffen. 

 

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