„Neue Besen kehren besser“, sagt man ja so. Glaube Ich. Stimmt allerdings nicht immer. Im Filmbusiness sind Fortsetzungen auch oft eher nur noch die Schatten ihrer selbst. Und auch bei Renault ist der aktuelle Clio IV R.S. nicht das Lieblingskind der Szene. Zeit also, den schon leicht ergrauten, aber sehr weisen Klassenprimus nochmal unter die Lupe zu nehmen.

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Also ab durch den Nebel der Zeit und zurück ins Jahr 2012. Nach sechs Jahren wird der Clio 3 R.S. eingestellt und durch seinen turbobefeurten Nachfolger ersetzt. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2015 und noch immer sind die bunten Spaßgranaten mit dem Zweiliter-Sauger in der Mehrzahl gegenüber ihren Nachfolgern. Wie kommts? 

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Den Unterschied zum Wald und Wiesen-Clio machen breit ausgestellte Kotflügel vorne und hinten, ein auffälliger Diffusor mit eingelassenem Doppelauspuff, sowie ein kleiner Bürzel, der auf der Kofferraumkante sitzt. Eine klare Abgrenzung zwischen einem normalen 90-PS-Clio und dem Topmodell, die man beim aktuellen Clio IV leider vermisst. 

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Aber genug über die Optik geredet, das was der Clio wirklich kann, ist Fahren! Unterhalb von 5000 Umdrehungen mutet der Zweilitermotor zwar eher an, als könnte er kein Wässerchen trüben und verfüge niemals über die 200 PS die im Fahrzeugschein vermerkt sind. Doch wehe, man lässt das Ortsschild hinter sich und lässt den Fuß lange genug auf dem Pedal, dass die Tachonadel bis zu den magischen 7.500 U/min klettert. 

IMG_1579Dabei legt das Getriebe, solange man sorgfältig kuppelt und schaltet, jeden Gang sehr direkt ein und es macht einen unglaublichen Spaß den Kleinen vor Kurven mit gezieltem Runterschalten zu verlangsamen. Apropos Kurven, wer dachte, der Clio RS könne nur geradeaus, der hat sich gewaltig getäuscht. Denn sich durch die Landschaft windende Sträßchen fernab von jeder Bundesstraße oder gar Autobahn sind das wahre Jagdrevier des Renaults. 

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Die beeindruckend gut zupackende Brembo-Bremsanlage lässt sportlich späte Bremspunkte zu, ohne auch nur irgendwann ein Zeichen von Schwäche zu zeigen, selbst nach mehreren Runden Nordschleife oder gar der GP-Strecke des Nürburgrings. Einmal in der Kurve hält der Clio dermaßen stoisch die Spur, dass schon unmittelbar hinter dem Scheitelpunkt wieder der Beschleunigungsvorgang eingeleitet werden kann.

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„Dank“ dem relativ niedrigem Drehmoment des Saugmotors (225 NM) bleibt jede Art von Schlupf aus, und man kann bedenkenlos auf den Pin treten. So lässt sich jedes kleine Eifel-Sträßchen in eine Rennstrecke verwandeln. 

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Hier muss nochmal ein großes Lob an das optionale Cup-Fahrwerk ausgesprochen werden, das den Clio wirklich dermaßen satt auf der Straße liegen lässt, sodass man meint, man säße wirklich in einem Rennwagen.

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Wer jetzt Lust bekommen hat, einen der letzten Hochdrehzahl-Kleinwagen in direkter Erbfolge zum legendären Clio Williams sein Eigen nennen zu können, dem sei ein Blick ins Clio-RS-Forum (www.cliors.de) und dann in die Angebote bekannter Autobörsen empfohlen. Auf jeden Fall haben sollte der Clio dann aber das Cup-Fahrwerk und die Recaros, diese beiden Zutaten machen den Spaß dann erst richtig aus. Die kleinen Spaßmacher mit Suchtpotential gehen bereits bei unter 10.000€ los und sind jeden Cent wert, ich werde meinen definitiv nicht mehr hergeben.

 

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