Seit mittlerweile 53 Jahren findet am Pfingstwochenende nahe der Bier-Stadt Bitburg, das Wolsfelder Bergrennen statt. Als Wertungslauf zur Deutschen-, und Luxemburgischen Meisterschaft zieht der kleine Eifel-Ort Teilnehmer und Fans aus ganz Deutschland und den BeNeLux-Ländern an. Auch für mich ist das Bergrennen jedes Jahr eine willkommene Möglichkeit, echten Breitensport abseits der bekannten Rennstrecken zu erleben und zu fotografieren. 

IMG_7319Zur besonderen Atmosphäre bei einem typischen Bergrennen trägt sicherlich das sehr weitläufige, über den ganzen Ort verteilte Fahrerlager bei. Teilweise auf einer Wiese am Ortsrand, teilweise mitten im Ort selbst. Manche Teams haben sich sogar bei Privatleuten entlang der Hauptstraße eingemietet, und so werden Sportprotoypen direkt neben der Wäschespinne geparkt und Formel-Autos in Vorgärten betankt. 

IMG_7331Die Strecke in Wolsfeld beheimatet nicht nur das mittlerweile älteste, noch bestehende Bergrennen in Deutschland, sondern ist auch die kürzeste im Rennkalender. Der Streckenrekord liegt bei nur knapp einer Minute. 

Kurz nach dem Start erwartet die Teilnehmer die erste Spitzkehre. Zu Ehren des Hauptsponsors „Bit-Kurve“ getauft, stellt diese auch den größten Zuschauerpunkt dar. Hunderte Fans finden in den steilen Hängen der Naturtribüne Platz und feuern bei Bratwurst und Bitburger-Pils ihre Helden an. Vor allem die kleinen, wendigen Fahrzeuge wie der Golf GTI heben hier auch schon mal das Beinchen. 

IMG_7411Bei den kleinen Fans stehen gerade die knallbunten und lauten Tourenwagen ganz oben auf der Liste. Bergrennen ist Motorsport zum Anfassen. Die Teilnehmer haben am Renntag drei Wertungsläufe zur Verfügung und so gibt es genügend Zeit, die teilweise mehr als aufwändig aufgebauten Rennfahrzeuge in voller Fahrt zu bewundern. 

IMG_7400Ebenfalls am Start, Opel ADAM Rallye-Pilot Patrick Orth. In Wolsfeld kehrt er mit seinem BMW zu seinen motorsportlichen Wurzeln zurück. Gemessen am Applaus der Zuschauer auch ein echter Publikums-Favorit. 

IMG_7440Nicht schön, aber selten. Opel Kadett C-Coupe Ultra-Breitbau. In der schnellsten Klasse am Berg wachsen den Autos manchmal Flügel, das glaubt man erst, wenn die Autos zwei-drei mal vorbeifahren. Wahnsinn. 

IMG_7432Seit Jahren eine Institution am Berg: Die Lancia Delta S4 Gruppe B, aufgebaut und (teilweise) pilotiert von „Raketen-Bruno“ a.k.a. Bruno Ianello. Wer bei historischen Rallye-Events die passende Fahrweise zu den Gruppe-B Deltas vermisst, dem ist ein Besuch am Berg dringend empfohlen. 

IMG_7450Mit mehr als 200 km/h über eine „normale“ Landstraße bügeln? Verrückt genug. Das ganze dann noch in einem offenen Single-Seater? Völlig gestört.

IMG_7473Und auch ausgemusterte Formel-Autos sind ganz normal am Berg. Wobei die Formel-Renaults in Wolsfeld noch harmlos wirken. Gegen die GP2-Autos, die in der Europameisterschaft bewegt werden.

IMG_7499Zum Entschleunigen gab es dann nach der Top-Klasse auch ein paar historische Schätzchen zu sehen. Im Caterham mit wenig Leistung, aber auch wenig Gewicht, ohne Servolenkung und mit viel Schaltarbeit die Bergrennstrecke hoch. Stell ich mir ja wirklich cool vor. 

IMG_7511Auch weiter oben säumen noch viele Zuschauer die Strecke, obwohl der Aufstieg durch den Wald und über Stock und Stein sehr beschwerlich ist. Keine beheizten und klimatisierten VIP-Lounges, Baumstümpfe als Sitze und Moos als Kissen. Hauptsache die Action auf der Strecke stimmt. 

IMG_7558Schon immer unter meinen persönliche Favoriten: Die flinken und einfach schönen NSU TT. Von den normalen Rennstrecken fast vollständig verschwunden, kämpfen beim Bergrennen noch eine ganze Horde in einer eigenen, separaten Wertung um Siege. 

IMG_7586Also, wird es mich auch 2016 wieder am Pfingstwochenende nach Wolsfeld verschlagen? Ich denke schon. Same procedure as every year. Aber bin ich auch froh, dass in der VLN eine Runde mehr als eine knappe Minute dauert? Auf jeden Fall. 

 

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